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Umsetzung neuer Anforderungen zum Arbeitsschutz in Werkstätten für behinderte Menschen

Laufzeit:

01.01.1997 - 31.08.1998

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Kurzbeschreibung des Projektes:

Die veränderte Gesetzgebung zum Arbeitsschutz wirkt sich auch auf Werkstätten für Behinderte massiv aus, zumal verschiedene Regelungen für diese explizit gelten. So werden im Arbeitsschutzgesetz geeignete technische, organisatorische und personelle Vorkehrungen gefordert, um einen größtmöglichen Arbeits- und Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Zudem sind regelmäßige Gefährdungsanalysen für alle Arbeitsplatztypen und deren Dokumentation vorgeschrieben.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, reichen traditionelle, vor allem technisch orientierte Maßnahmen des Arbeitsschutzes nicht mehr aus. Vielmehr sind vorbeugende Ansätze erforderlich. Weiterhin sind verstärkt Maßnahmen zur Gesundheitsförderung notwendig, womit auch psychischen Belastungen am Arbeitsplatz, die zunehmend für Fehlzeiten verantwortlich sind, begegnet wird. Die Förderung des Arbeitsschutzes auf der skizzierten breiten Basis bedingt die Einbindung des Personals und der behinderten Mitarbeiter. Da zwangsverordnete Maßnahmen kaum zu nachhaltigen Verbesserungen führen, kommt der Motivation der Mitarbeiter entscheidende Bedeutung zu.
Im Rahmen des Projektes wurde vom Arbeitskreis Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung in Werkstätten für Behinderte (15 Teilnehmer aus 11 WfbM) ein Instrumentarium zur Organisation, Durchführung und Dokumentation von Gefährdungsanalysen entwickelt und erprobt, das speziell auf die Belange der WfB zugeschnitten ist. Es erfüllt die gesetzlichen Anforderungen und ist mit den Aufsichtsorganen (BGW, Gewerbeaufsicht) abgestimmt. Die Gefährdungsanalyse besteht aus verschiedenen Modulen:

Ebene 1:
Checkliste Arbeitsstätte allgemein übergreifende Fragestellungen wie z. B. Hausinstallation, Verkehrswege, Arbeitsumfeld (Beleuchtung, Klima, Lärm, ...) sowie innerbetriebliche Organisation des Arbeitsschutzes.

Ebene 2:
schwerpunktmäßige Untersuchung der verschiedenen Arbeitsbereiche der WfbM sowie die Logistik (inner- und außerbetrieblicher Materialtransport, Personenbeförderung, Lager, ...) und spezielle Betreuungsmaßnahmen hinsichtlich möglicher Gefährdungen.

Ebene 3:
Checklisten, die im Bedarfsfall zur Ergänzung der anderen Analyseinstrumente herangezogen werden können.


Zudem wurde in einer WfbM ein partizipatives Sicherheitsgruppenkonzept zur Förderung von Arbeitsschutz und Gesundheit eingeführt, in das alle Gruppen der Werkstatt eingebunden sind. Dabei wurden bestehende Strukturen genutzt, um den zusätzlichen Aufwand zu begrenzen. Im Rahmen der regelmäßigen Produktionsbesprechungen wurden, basierend auf den Ergebnissen der Gefährdungsanalysen, Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes abgeleitet. Die moderierte Sicherheitsbesprechung ersetzt die traditionelle Unterweisung. Hier diskutieren die Bereichsleiter mit ihren Mitarbeitern aktuelle Sicherheitsprobleme. Der Werkstattrat ist als Interessenvertreter der behinderten Mitarbeiter eingebunden. Er wurde in Arbeitsschutzfragen geschult und nimmt selbst an Begehungen teil. Ein Mitglied des Werkstattrates nimmt an den Arbeitsschutz-Sitzungen im Rahmen der Produktionsbesprechung teil. Im Gesundheitszirkel diskutieren auf freiwilliger Basis Mitarbeiter verschiedener Bereiche vor allem über psychische Belastungen, die mit der Arbeit in einer WfbM verbunden sind und leiten daraus Verbesserungsvorschläge ab.
Eine ausführliche Beschreibung der Projektergebnisse liegt zusammen mit den erforderlichen Grundlagen in Form eines anwendungsorientierten Leitfadens vor. Er enthält auch eine ausführliche Darstellung des Instrumentariums zur Gefährdungsanalyse sowie erste Umsetzungserfahrungen.

 

Forschungsbericht:

Steinmetz, W.; Zink, K. J.: Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung in Werkstätten für Behinderte, Kaiserslautern: Institut für Technologie und Arbeit, 1998.