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Strategisches Management in Werkstätten für behinderte Menschen

Laufzeit:

01.07.2002 - 30.09.2004

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Kurzbeschreibung des Projektes:

Im Bereich des Strategischen Managements ist die Anfang der 1990er Jahre entwickelte Balanced Scorecard (BSC) eine Methode zur Strategieumsetzung. Nachdem sie zunächst im Wesentlichen in der Privatwirtschaft eingeführt wurde, gibt es inzwischen immer mehr Anwendungen bei Non-Profit-Organisationen.

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurden in Anlehnung an den Balanced Scorecard-Ansatz geeignete Konzepte und Instrumente zur strategischen Unternehmensführung in Werkstätten für behinderte Menschen erarbeitet und in einigen Pilotwerkstätten in Rheinland-Pfalz erprobt.

Die Balanced Scorecard betrachtet in der Originalform nach Kaplan/Norton eine Organisation aus den vier Perspektiven Finanzen, Kunden, Prozesse, Lernen und Entwicklung (Mitarbeiter). Für jede Perspektive werden strategische Ziele, Messgrößen, Zielwerte und ggf. Maßnahmen zur Zielwerterreichung vereinbart.

Für die spezifischen Anforderungen der WfbM wurde ein eigenes Perspektivenmodell konzipiert. Individuell für jede der fünf Pilotwerkstätten wurden ca. 25 strategische Ziele, Ursache-/Wirkungsbeziehungen zwischen den strategischen Zielen und Messgrößen erarbeitet. Die Werkstätten befanden sich in unterschiedlichen Situationen bzgl. TQM (EFQM), ISO 9000 ff. und strategischem Management, so dass grundsätzlich für jede Werkstatt eine eigene Balanced Scorecard erarbeitet werden musste. In jeder Werkstatt wurde individuell entschieden, inwieweit weitere Bereichs- oder Abteilungsscorecards, die sich von der ersten, auf der Unternehmensleitungsebene entwickelten Scorecard ableiten, angepasst werden. Die BSC musste bei ihrer Einführung in bestehende Abläufe integriert und in der Organisation verankert werden. Doppelarbeit, wie z. B. das mehrmalige Erfassen von nahezu identischen Kennzahlen, wurde dadurch vermieden.

Die Evaluation zeigt, dass die Balanced Scorecard in modifizierter Form grundsätzlich ein geeignetes Instrument für das strategische Management einer WfbM ist. Neben der Nutzung der BSC zur Verbesserung der stringenten Umsetzung strategischer Ziele liegt ein wesentliches Ergebnis der Einführung aber auch darin, dass sich das Leitungsteam mit strategischen Fragen beschäftigt und eine einheitliche Sicht auf die Werkstatt entwickelt. Dieser "Nebeneffekt" ist nicht hoch genug zu bewerten.

Folgende WfbM aus Rheinland-Pfalz nahmen an diesem Projekt als Pilotwerkstätten teil:

Service Center der GPE gGmbH Mainz
Caritas-Werkstätten Westerwald / Rhein-Lahn Montabaur
Mosellandwerkstätten Ebernach-Kühr gGmbH Treis-Karden
Lebenshilfe-Werkstatt Trier gGmbH
Werkstätte für behinderte Menschen der Lebenshilfe Einrichtungen gGmbH Worms

 

Forschungsbericht:
Leimenstoll, D.; Schübel, U. F.; Zink, K. J.: Strategisches Management in Werkstätten für behinderte Menschen auf der Grundlage des Ansatzes der Balanced Scorecard, Kaiserslautern: Technische Universität, 2004.