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Entwicklung von Indikatoren zur Beurteilung der Teilhabe- und Eingliederungsleistung von WfbM

Laufzeit:

01.08.2010 - 31.01.2012

Ansprechpartner:
Weitere an dem Projekt beteiligte Mitarbeiter:
Kurzbeschreibung des Projektes:

Die Breite der Aufgaben von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) ist in §136 SGB IX beschrieben. Statt jedoch bei der Beurteilung der Leistung von WfbM diese Aufgabenpalette zugrunde zu legen, wird in der öffentlichen Diskussion zu oft nur auf die wenigen verfügbaren, teils ungeeigneten oder fehlinterpretierten quantitativen Indikatoren zurückgegriffen. Im Ergebnis verkürzen sich solche Diskussionen auf diejenigen Themenfelder, die quantitativ messbar erscheinen, und blenden die weiteren Aufgabenbereiche von Werkstätten mangels geeigneter Indikatoren aus, was im Ergebnis zu einer verzerrten und sich auf die Dauer ggf. sogar verfestigenden Sicht auf WfbM führen kann.

Zur gleichen Zeit wachsen auf Seiten der Leistungsträger jedoch die Steuerungserfordernisse bzgl. der Mittel der Eingliederungshilfe. Anfang der 1990er Jahre wurde das sog. Neue Steuerungsmodell für Kommunen entwickelt und verbreitet, das der bis dahin üblichen zentralen Bewirtschaftung von Ressourcen und der Input-Steuerung nun eine ziel- und ergebnisorientierte (Output-)Lenkung entgegenstellte und die finanzielle Verwaltung um eine fachliche Verantwortung ergänzte.

Der Mangel an geeigneten Indikatoren, die die Breite der Leistungsfähigkeit von WfbM auf Grundlage des gesetzlichen Auftrages abzubilden vermögen, beinhaltet die Gefahr, dass sich die gemeinsam erforderlichen Anstrengungen zur Dämpfung der Kosten der Eingliederungshilfe primär auf eine Verknappung der zur Verfügung gestellten Mittel für WfbM beschränken (Inputsteuerung) und dabei die Anstrengungen von WfbM zur Kostendämpfung bei gleichzeitigem Erhalt oder gar Weiterentwicklung der Qualität konterkarieren. Durchaus vergleichbar mit der Situation im Bildungsbereich oder im Bereich der Prävention bspw. berufsbedingter Erkrankungen würden kurzfristig erzielte Einsparungen um ein vielfaches höhere, jedoch zeitlich versetzte Ausgaben (ggf. anderer öffentlicher Träger) nach sich ziehen, was weder im Interesse der Betroffenen noch der Gesellschaft sein kann und darf.

Der Forschungsansatz des Projektes bestand darin, die Ergebnisseite (an Stelle der Inputseite) von Werkstattarbeit mit Hilfe wirkungsorientierter Indikatoren mehr in den Vordergrund zu bringen, um beurteilen zu können, welche Teilhabe- und Integrationsleistung mit den zur Verfügung gestellten öffentlichen Mitteln erzielt wurde. Die kooperative Erforschung geeigneter wirkungsorientierter Ergebnisindikatoren, also quantitativer und/oder qualitativer Indikatoren, die die in § 136 SGB IX formulierten Aufgaben der Werkstätten widerspiegeln, lieferte diese Aussagen über die Leistungsfähigkeit der WfbM. Dabei ist diese Indikatorensammlung nicht als direkt nutzbares Instrument zur „Benotung“ einer Werkstatt oder zum Ranking verschiedenster Leistungserbringer gedacht oder geeignet. Denn nach weit über 4 Jahrzehnten Erfahrungen zeigt sich, dass es nicht den one-best-way, den einen richtigen Weg, wie eine Werkstatt ausgestattet und strukturiert sein müsste oder wie sie vorgehen sollte, gibt, um erfolgreiche Arbeit zu leisten. Vielmehr bietet das Forschungsergebnis die wissenschaftliche Grundlage, auf die die Akteure, WfbM und Leistungsträger zurückgreifen können.

Eine konzertierte Aktion zahlreicher Leistungserbringer (hier: WfbM) zur Erforschung eines abgestimmten Indikatorensatzes unter aktiver Einbeziehung von Leistungsträgern konnte der erforderlichen Qualitätsdiskussion zukünftig eine wissenschaftlich fundierte Basis geben und damit die Voraussetzungen für ein fachliches Controlling im beiderseitigen Interesse schaffen. Der Satz von Indikatoren wird die Leistungsträger in die Lage versetzen, die Qualität der Teilhabe- und Eingliederungsleistung der Einrichtung „Werkstatt“ als Ganzes abschätzen und damit ggf. den zu erwartenden individuellen Integrationserfolg prognostizieren zu können. Leistungserbringer wiederum haben ein Instrument zur Verfügung, das die Breite ihrer spezifischen Integrationsleistungen abbildet und vermittelt, und das zur Steuerung eigener Prozesse und Vorgehensweisen sowie zum Lernen voneinander geeignet ist.